Hans Carossa

geboren am 15. Dezember 1878 in Tölz

gestorben am 12. September 1956 in Rittsteig

Der Dichter und Romanschriftsteller trug wesentlich zur Entwicklung des deutschen autobiographischen Romans bei. Er wird als einer der herausragendsten und einzigartigen Dichter des 20. Jahrhunderts angesehen. Carossa war Arzt und verbrachte die meiste Zeit in Bayern, dessen Menschen, Folklore und Aberglaube in vielen seiner Werke beschrieben werden.

 

Seine Literaturkarriere begann mit "Stella Mystica", in dem eine philosophische Einstellung über Gefühlsausdrücke dominiert.

"Doktor Bürgers Ende" war sein erster Roman und stellt eine Variation Goethes "Werther" dar. Autobiographische Werke sind "Eine Kindheit", "Das Jahr der schönen Tugend" und "Verwandlungen einer Jugend".

An ein Kind

von Hans Carossa

 

Schnee fiel auf das Haus deiner Mutter.

Sie wusste noch nichts von dir,

Noch nicht, mit welchen Augen

Du blicken würdest auf sie. ...

 

Wie Wettermorgen die Sonne

Trug sie dein Los aus dem

Dunkel.

Du warst noch nicht auf Erden

Und doch schon überall da.

 

Unzugänglich schien der Gipfel;

Nun begehn wir ihn so leicht.

Fern verdämmern erste Wege,

Neue Himmel sind erreicht. ...

 

Helle Wolke streift herüber;

Uns umweht ihr Schattenlauf.

Große blaue Falter schlagen

Sich wie Bücher vor uns auf.

Im Juni 1972 gab die Gemeinde Heining unter Bearbeitung von Franz Mader

"HEINING - die Geschichte einer Gemeinde" heraus.

 

Darin steht über Hans Carossa geschrieben:

 

Geboren am 15. Dezember 1878 in Bad Tölz. Schon um das Jahr 1895 kam der Gymnasiast Carossa zum ersten Mal in unsere Gegend; seine Mutter hatte ein Landhaus in Seestetten geerbt und von da an verbrachte die Familie dort ihre Ferien. Um die Jahrhundertwende verlegten die Eltern Carossas dann ihren Wohnsitz ganz nach Seestetten und Passau, wo der Vater Dr. Karl Carossa eine Arztpraxis eröffnete. Nach Beendigung seines Studiums übernahm Hans Carossa später für einige Jahre diese Praxis. Aber auch als Carossa dann längst in anderen Städten lebte und seine ärztliche Praxis ausübte, blieb Seestetten und der Passauer Raum immer der die Kräfte regenerierende Zufluchtsort, das "ultimum refugium", wie er es selber manchmal nannte.

Von den dreißiger Jahren an bis zu seinem Tod am 12. September 1956 hat Hans Carossa dann in der Gemeinde Heining selbst - in Rittsteig - gelebt. Er ist im Friedhof Heining begraben.

Dr. Hans Carossa hat sich als Lyriker und Erzähler einen großen Namen gemacht und wurde mit hohen Auszeichnungen geehrt. 1931 erhielt er in Zürich den "Gottfried-Keller-Preis", 1938 den "Goethepreis der Stadt Frankfurt" und 1939 den "San-Remo-Preis". Die Universitäten Köln und München ehrten den Dichter mit dem philosophischen Ehrendoktorgrad. Er war Träger des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik und Ehrenbürger der Stadt Passau und der Gemeinde Heining. Ihm zu Ehren wurde in der Gemeinde eine Straße benannt.

In dem zum größten Teil autobiographischen Werk Hans Carossa`s finden sich immer wieder Schilderungen der Menschen und der Landschaft unserer Heimat, der sich der Dichter und Arzt ein Leben lang verbunden fühlte.

Hans Carossa im Alter von 9 Jahren als Schüler der Volksschule Pilsting

"An einem Wintersonntag des Jahres

1878 wurde ich zu Tölz in Oberbayern

geboren. An diesem schönen Badeort,

bei dem die grüne Isar aus den Alpen

hervorschäumt, sind mir leider nicht

viele Erinnerungen geblieben."

(Hans Carossa "Eine Kindheit")

Hans Carossa als Medizinstudent in München 1899

Mit dieser Anzeige in der Zeitung gab Dr. Karl Carossa bekannt, dass sein Sohn Hans die Arztpraxis in der Bahnhofstraße in Passau vom Frühjahr 1903 an gemeinsam mit ihm führte.

Das Gedicht "Der alte Brunnen" für Hugo von Hofmannsthal zum 50. Geburtstag

 

Lösch aus die Kerze! Schlaf! Das immer wache

Geplätscher nur des alten Brunnens tönt.

Wer aber Gast war unter meinem Dache,

hat sich stets bald an diesen Ton gewöhnt.

 

Zwar kann es dir geschehen, wenn du schon mitten

im Traume bist, dass Unruh geht ums Haus,

der Keis beim Brunnen knirscht von harten Tritten,

das helle Plätschern setzt auf einmal aus,

 

und du erwachst, - dann musst du nicht erschrecken!

Die Sterne stehn vollzählig überm Land,

und nur ein Wanderer trat ans Marmorbecken,

der schöpft vom Brunnen mit der hohlen Hand.

 

Er geht gleich weiter. Und es rauscht wie immer.

O freue dich! Du bleibst nicht einsam hier.

Viel Wandrer gehen fern im Sternenschimmer,

und mancher noch ist auf dem Weg zu dir.

Das Grab von Hans Carossa, der in den Morgenstunden des 12. September 1956 starb, auf dem Friedhof in Heining.

GESTIRNE STEIGEN

DA WIRD NOCH KLARER

DEIN STILLER AUFTRAG

NOCH WUNDERBARER.

 

ES RAUNEN QUELLEN

UNIRDISCH LEISE:

TIEF WILL ICH SCHLAFEN,

AUCH RAST IST REISE.

 

(Grabsteininschrift aus "Der Bote")

Quellen:

Kampmann-Carossa, Eva: Hans Carossa, Leben und Werk, Insel Verlag 1993

Elfi Dietrich, Otto Müller: Carossastraße - Projekt der VS Passau-Neustift

PASSAUER NEUE PRESSE

LOKALTEIL PASSAU vom 3.12.2003

 

125 Jahre Hans Carossa: Stadt feiert Ehrenbürger

 

Matinee am Sonntag im Großen Rathaussaal - Eintritt kostenlos

 

Sein Name schmückt das Ehrenmal der Stadt, er ist Namenspatron der Voksschule in Heining und Ehrenbürger Passaus: Hans Carossa. Als Lyriker und Erzähler machte sich der 1956 verstorbene Arzt in der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts einen bedeutenden Namen. Der 15. Dezember diesen Jahres wäre sein 125. Geburtstag gewesen. Die Stadt erinnert aus diesem Anlass bereits am Sonntag, 7. Dezember, mit einer Matinee im Großen Rathaussaal an den berühmten Ehrenbürger. Beginn ist um 11 Uhr, der Eintritt ist kostenlos.

Carossa wurde am 15. Dezember 1878 in Tölz geboren, 1903 übernahm der die Artzpraxis seines Vaters in Passau. Während des ersten Weltkriegs war er als Militärarzt an Ost- und Westfront stationiert. Zurück in Niederbayern, gab er seine Arztpraxis auf, um sich ganz der Dichtung widmen zu können. Eine Reihe von Auszeichnungen dokumentiert eindrucksvoll seinen Verdienst um die deutsche Literatur: 1931 erhielt er den Gottfried-Keller-Preis in Zürich, 1938 den Goethepreis der Stadt Frankfurt udn 1939 den San Remo-Preis. Die Universitäten München und Köln ernannten Carossa 1948 Ehrendoktor der Philosophie. Im November desselben Jahres machte ihn die Stadt Passau als Dank für seinen Einsatz um die kampflose Übergabe der Stadt in den letzten Kriegstagen 1945 zum Ehrenbürger.

Den Festvortrag "Verwandlungen eines Dichters. Hans Carossa - ein süddeutscher Europäer" zur Matinee am Sonntag hält Albert von Schirnding; Wolf Euba Texte des Geehrten lesen. Auf Einladung der Deutsch-Italienischen Gesellschaft kommt auch Dr. Gian Carlo Giani aus Montecchio Maggiore nach Passau; er hat über den deutschen Dichter an der Universität von Verona promoviert.

Am eigentlichen Geburtstag von Carossa am Montag, den 15. Dezember, legt Oberbürgermeister Albert Zankl um 15 Uhr auf dem Friedhof Heining einen Kranz nieder. Für die Deutsch-Italienische Gesellschaft liest Stadtrat udn Studiendirektor a.D. Alois Feuerer am 23. Januar 2004 um 19:30 Uhr im Cafè Museum aus Hans Carossas "Aufzeichnungen aus Italien".    red